Auf dem Weg nach Norden bin ich schon mehrfach durch Umeå gekommen. Für die meisten wäre das ja schon Norden genug – immerhin kommt in Schweden nördlicher nur noch die Provinz „Norrbottens län“. Umeå ist die Residenzstadt von „Västerbottens lan“ und die Stadt hat ca. 85.000 Einwohner mit starkem Wachstum.

Ich kenne Umeå nur durch zwei Besuche im Winter. Die Stadt der Birken und die Stadt der Radfahrer, auch bei minus 15 Grad. Und Kulturhauptstadt Europas war sie 2014. Das merkt man nicht nur an der Stadtbibliothek. Doch auch sonst gibt es architektonische Highlights – das beginnt bei der Stadtmöblierung.

Nachts ist diese „Engelsbank“ gegenüber der Norrlandsopera beleuchtet. Wer dort sitzt hat also einen Heiligenschein. Die Stadt der Birken hat sich zudem einen neuen Busbahnhof aus Holz geleistet (nein, das ist kein Rohbau):

Selbst wer nur im Einkaufszentrum „Utopia“ kurz aufwärmen will, trifft auf Kunst. In diesem Fall auf ein zusammengekugelten Käfer von Ichwan Noor: https://www.artsy.net/artist/ichwan-noor :

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In dieser Stadt mit vielen Studenten ist die Stadsbibliotek natürlich wichtig und wurde 2014 neu errichtet: https://sv.wikipedia.org/wiki/Ume%C3%A5_stadsbibliotek – der direkte Link zur Homepage findet sich hier.

Während ich 2017 nur davor stand habe ich mir im März 2019 etwas Zeit genommen um hinein zu gehen. Erst das Oodi in Helsinki, dann der Bücherbus in Kilpisjärvi und nun also die Stadtbibliothek in Umeå. Die Bibliothek ist wiederum ein Kulturhaus (Kulturhuset) mit integrierten Cafés und einem Hotelkomplex über der Bibliothek.

Die Bibliothek liegt eigentlich nicht zu verfehlen in der Innenstadt direkt am Ume Älv, der zu dieser Jahreszeit komplett zugefroren ist.

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Wer mit Spikes durch die vereisten Strassen läuft sollte wegen des Holzbodens bitte Gummischlappen drüberziehen.

Das man die Orierntierung nicht verliert und zufällig im Hotel landet, dafür sorgen sehr große Orientierungskarten. Ob die barrierearm sind, weiß ich nicht – der Trend zurück zu einfachen Wegweisern zeigt der Besuch im Oodi in Helsinki. Wer erschöpft ist findet ausreichend Sitzgelegenheiten. Auf der Seite der Bibliothek sind alle Räumlichkeiten klar nach Etagen aufgegliedert: https://www.minabibliotek.se/teman-och-rum?culture=sv und es gibt ein pdf: https://cdn1.minabibliotek.se/files/584a8749f09f4b19bc03c660/Ume%C3%A5%20stadsbibliotek%20informationsbroschyr.pdf zum Mitnehmen.

Die Größe der Bibliothek ist, wie immer, nicht mit deutschen Maßstäben vergleichbar. 5000 qm lassen entsprechend Möglichkeiten zu für die diversen Räumlichkeiten, die heute auch in deutschen Bibliotheken immer mehr erwartet werden. Übrigens, es gibt mit Bücherbus insgesamt ein Dutzend Zweigstellen in dieser Stadt.

Also alles vorhanden: Digitalwerkstatt, Gruppenräume, kleine Bühne, Kulturrezeption, etc. Die entsprechenden Betreuungsangebote reichen von der Digitalhilfe über die Ahnenforschung bis hin zum IT-Sprachcafé. Und die ganzen Kinderangebote sind da noch gar nicht genannt. Das Bibliothekswesen hat also einiges zu tun

Es gibt auch Platz für Medien und ausreichend Fläche zum „Sofortkonsum“:

Doch in Umeå bin ich auf eine Besonderheit gestoßen, die mir bisher noch nie begegnet ist. Während man immer wieder liest, das sich Bibliotheken von Medien trennen um Platz zu schaffen, magaziniert man in der Stadsbibliotek Umeå Titel, die man haben muß jedoch nicht immer im Raum präsentieren muss. Gut, Magazine kennen auch deutsche Kommunalbibliotheken – aber dieses Magazin ist offen für jeden zugänglich und nutzbar:

Ob Kinderbuch oder Schöne Literatur, das „Öppet magasin“ kann jeder bedienen. Einfach auf die Knöpfe drücken und elektrisch werden die Reihen geöffnet und geschlossen. Viele Medien auf engem Raum – jedoch nicht entsorgt und weggeworfen weil kein Platz da ist. Vielleicht wäre diese Idee eine häufig einsetzbare Lösung in Deutschland. Oh, „meine“ Stadtbibliothek hat sogar ein Magazin…

Dann ist sogar Platz für Kunst. Ein Künstler malte gerade einen Volvo Kombi – jedoch in einer ganz eigenen Art:

Als Bahnfahrer mit dem „Nattåg“ gen Norden verschläft man diese Stadt in der Regel. Wer jedoch mit dem Auto oder dem Camper durch Skandinavien tourt, der kann in Umeå einen Stopp einlegen. Die E4 verläuft direkt daran vorbei.

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