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Wieder einmal ist es nicht gelungen einen Urlaub ohne Bibliotheksbesuch zu machen. Der Roadtrip begann in Finnlands Süden und ging über Lappland (Finnland, Norwegen, Schweden).

Die Schärenringstraße vor Turku bzw. Åbo war bereits zu Beginn ein ungeplantes Highlight. 200 km lang und mit 10 Fährverbindungen verspricht Inselhopping. Auf der Hinfahrt merkten wir, das die Sprachen von Finnisch/Schwedisch auf Schwedisch/Finnisch wechselten. Die Busse fuhren nicht mehr nach Turku, sondern nach Åbo, dem schwedischen Namen von Turku. Und im Supermarkt auf der Insel Korpo wurde nur noch Schwedisch gesprochen.

Kurz unterhalb von Jokkmokk waren unsere Reiseziele abgearbeitet und wir hatten noch Zeit.

Also noch mal die finnischen Schären? Die Lösung brachte die Fähre von Eckerölinjen von Grisslehamn – nach Eckerö auf Åland. Das die Hinfahrt drei Stunden dauert, die Rückfahrt jedoch nur eine Stunde ist der WEZ/OEZ-Grenze zu verdanken. Hier kann man zollfrei Einkaufen, was die Nordländer ausgiebig für den Nachschub von Hochprozentigem nutzen. Was den Deutschen der Fuselfelsen, ist den Nordländern das Fuselschiff.

Åland ist eine weitgehend autonome Region Finnlands. Auf den 6.500 Inseln, wovon nur die wenigsten bewohnt sind, leben knapp 30.000 Menschen. Die „Hauptstadt“ Mariehamn hat ca. 11.000 Einwohner. Man repräsentiert eindeutig die schwedisch-sprechende Minderheit von Finnland. Man genießt Wehrpflichtbefreiung und Zollfreiheit, was viele Schiffe einen Stop in Marienhamn einbringt. Man leistet sich eigene Briefmarken, eigene KFZ-Schilder, eine eigene Internetendung (.ax) und eine eigene Flagge.

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Mehr Autonomität ist kaum möglich.

Es gibt auch Bibliotheken. Eigentlich ein ganzes Bibliothekssystem. Mit eigener Internetendung: Bibliotek.ax

Überall auf der Insel sieht man kleine Schilder zu einer Bibliothek. Auf der Internetseite werden 15 Kommunalbibliotheken, 7 Schulbibliotheken und noch weitere Spezialbibliotheken aufgelistet. Darüber schwebt die Stadsbibliotek Mariehamn als Zentralbibliothek.

Wer bisher nur Schilder mit Elchen und Rentieren mit Skandinavien verbindet, bekommt nun ein neues Schild direkt vor der Bibliothek präsentiert: den Marienhamns-Gumsen

Die Bibliothek von Aussen ist eher unscheinbar, bzw. würde man einen solch grossen Bau nicht mit einer Bibliothek in einer „Stadt“ dieser Grösse in Verbindung bringen:

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Nein, das ist kein Neubau – kein Dokk1, kein Oodi oder Birmingham Library. Die Bibliothek wurde bereits 1990 erbaut. Für 110.000 Medien geplant, 10,5 Bibliothekarstellen und 7,5 Assisstentenstellen eingerichtet, also 18 Personalstellen. Die Gesamtfläche beträgt 14.800 m3, die große Halle allein 3.405 m². Das neue Kap1 in Düsseldorf soll 12.500 m² Fläche bekommen, wenn ich mich nicht irre.

Man ist gleichzeitig Hochschulbibliothek für die HÅ – die Högskolan på Åland, an der man u.a. Maschinenbau, Elektrotechnik oder Gesundheitsmanagement studieren kann. 455 Studenten zählt man aktuell. Klingt nach guten Studienbedingungen.

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Doch nun ein Blick ins Innere!

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Die Finnische Sachlichkeit und das schwedische Design ist spürbar.

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Ich habe persönlich die finnisch-schwedische Symbiose dieses Gebäudes gespürt.

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Und nach 30 Jahren wirkt es fast zeitlos.

In einem Flyer von 2009, den man dort mitnehmen konnte sprach man bereits von 122.715 Büchern, 7.502 Musik-CD, 1.454 DVD und gut 2.700 weiteren Medien, also fast 135.000 Medien. Man öffnet in 2008 gut 60 Stunden die Woche und hat pro Leser 25,2 Ausleihen bei insgesamt 277.361 Ausleihen und 244.494 Besuchen.

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Es war nicht viel los am Samstagnachmittag in den Ferien. Die aktuellen Öffnungszeiten waren Montag – Donnerstag 10 – 20 Uhr, Freitag 10 – 18 Uhr, Samstag 10 – 16 Uhr und Sonntag 12 – 16 Uhr. Also 58 Öffnungsstunden in der Woche. An Personal waren nur 2 Personen zugegen, kein Problem bei Selbstverbuchung.

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Es bleibt hier trotz der Architektur viel Platz für Neuerungen und Änderungen. So ganz nebenbei ist man als „Grüne Bibliothek“ frisch ausgezeichnet.

Ob in deutschen Bibliotheken auch so viel Mülltrennung betrieben wird?

Was bietet man seinen 11.000 Einwohnern noch?

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Tabletausleihe und natürlich WLan

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Neue Sitzmöglichkeiten, die sich in die Architektur sehr gut eingliedern. Von diesen Sesseln habe ich 4 Stück gesehen – aus einem wollte meine Frau gar nicht wieder raus.

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Als Zentralbibliothek für das autonome Åland hat man die Aufgabe der landeskundlichen Abteilung. Anschluss an die Filmdatenbank Cineasterna.se, Sprachcafé, Schöne Literatur in großer Auswahl in vielen Sprachen (Multilingual Library), Novellencafé, Buchzirkel, Literaturtage, etc.

Interessant ist auch der kostenfreie Lieferdienst für alle Medien, wenn man nicht mehr außer Haus kommt. Daisybücher sind ebenfalls vorhanden. Spannend, bei 60 bewohnten Inseln.

Das Büchlein „Åland in Zahlen 2019“ notiert auf Seite 30:

Jahr 2000 / 332.564 Bände und 486.139 Ausleihen (18,9 Leihen pro Einwohner)

Jahr 2010 / 326.230 Bände und 476.376 Ausleihen (17 Leihen pro Einwohner)

Jahr 2018 / 288.943 Bände und 355.880 Ausleihen (12,7 Leihen pro Einwohner)

Fazit:

Åland ist eine Reise wert. Die Natur, die Inseln, der Kuchen

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Insbesondere der Kuchen!

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Ihr dürft aber gerne auch den Bibliotheken einen Besuch abstatten. Der Eintrag in diesem Blog erhebt nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Falls also jemand mal einen Bericht über das Bibliothekswesen auf Deutsch verfasst hat würde ich gerne dorthin verlinken.

30.000 Einwohner zwischen Schweden und Finnland haben sich eine ganz passables Bibliothekslandschaft gebaut. Auf jeden Hauptstadtbewohner kommen über 11 Medien. Eine schöne Zahl zum Abschluß, wenn mal wieder die deutsche 2 Medien/Einwohner Marke aus der Ecke gekramt wird.

 

Auf dem Weg nach Norden bin ich schon mehrfach durch Umeå gekommen. Für die meisten wäre das ja schon Norden genug – immerhin kommt in Schweden nördlicher nur noch die Provinz „Norrbottens län“. Umeå ist die Residenzstadt von „Västerbottens lan“ und die Stadt hat ca. 85.000 Einwohner mit starkem Wachstum.

Ich kenne Umeå nur durch zwei Besuche im Winter. Die Stadt der Birken und die Stadt der Radfahrer, auch bei minus 15 Grad. Und Kulturhauptstadt Europas war sie 2014. Das merkt man nicht nur an der Stadtbibliothek. Doch auch sonst gibt es architektonische Highlights – das beginnt bei der Stadtmöblierung.

Nachts ist diese „Engelsbank“ gegenüber der Norrlandsopera beleuchtet. Wer dort sitzt hat also einen Heiligenschein. Die Stadt der Birken hat sich zudem einen neuen Busbahnhof aus Holz geleistet (nein, das ist kein Rohbau):

Selbst wer nur im Einkaufszentrum „Utopia“ kurz aufwärmen will, trifft auf Kunst. In diesem Fall auf ein zusammengekugelten Käfer von Ichwan Noor: https://www.artsy.net/artist/ichwan-noor :

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In dieser Stadt mit vielen Studenten ist die Stadsbibliotek natürlich wichtig und wurde 2014 neu errichtet: https://sv.wikipedia.org/wiki/Ume%C3%A5_stadsbibliotek – der direkte Link zur Homepage findet sich hier.

Während ich 2017 nur davor stand habe ich mir im März 2019 etwas Zeit genommen um hinein zu gehen. Erst das Oodi in Helsinki, dann der Bücherbus in Kilpisjärvi und nun also die Stadtbibliothek in Umeå. Die Bibliothek ist wiederum ein Kulturhaus (Kulturhuset) mit integrierten Cafés und einem Hotelkomplex über der Bibliothek.

Die Bibliothek liegt eigentlich nicht zu verfehlen in der Innenstadt direkt am Ume Älv, der zu dieser Jahreszeit komplett zugefroren ist.

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Wer mit Spikes durch die vereisten Strassen läuft sollte wegen des Holzbodens bitte Gummischlappen drüberziehen.

Das man die Orierntierung nicht verliert und zufällig im Hotel landet, dafür sorgen sehr große Orientierungskarten. Ob die barrierearm sind, weiß ich nicht – der Trend zurück zu einfachen Wegweisern zeigt der Besuch im Oodi in Helsinki. Wer erschöpft ist findet ausreichend Sitzgelegenheiten. Auf der Seite der Bibliothek sind alle Räumlichkeiten klar nach Etagen aufgegliedert: https://www.minabibliotek.se/teman-och-rum?culture=sv und es gibt ein pdf: https://cdn1.minabibliotek.se/files/584a8749f09f4b19bc03c660/Ume%C3%A5%20stadsbibliotek%20informationsbroschyr.pdf zum Mitnehmen.

Die Größe der Bibliothek ist, wie immer, nicht mit deutschen Maßstäben vergleichbar. 5000 qm lassen entsprechend Möglichkeiten zu für die diversen Räumlichkeiten, die heute auch in deutschen Bibliotheken immer mehr erwartet werden. Übrigens, es gibt mit Bücherbus insgesamt ein Dutzend Zweigstellen in dieser Stadt.

Also alles vorhanden: Digitalwerkstatt, Gruppenräume, kleine Bühne, Kulturrezeption, etc. Die entsprechenden Betreuungsangebote reichen von der Digitalhilfe über die Ahnenforschung bis hin zum IT-Sprachcafé. Und die ganzen Kinderangebote sind da noch gar nicht genannt. Das Bibliothekswesen hat also einiges zu tun

Es gibt auch Platz für Medien und ausreichend Fläche zum „Sofortkonsum“:

Doch in Umeå bin ich auf eine Besonderheit gestoßen, die mir bisher noch nie begegnet ist. Während man immer wieder liest, das sich Bibliotheken von Medien trennen um Platz zu schaffen, magaziniert man in der Stadsbibliotek Umeå Titel, die man haben muß jedoch nicht immer im Raum präsentieren muss. Gut, Magazine kennen auch deutsche Kommunalbibliotheken – aber dieses Magazin ist offen für jeden zugänglich und nutzbar:

Ob Kinderbuch oder Schöne Literatur, das „Öppet magasin“ kann jeder bedienen. Einfach auf die Knöpfe drücken und elektrisch werden die Reihen geöffnet und geschlossen. Viele Medien auf engem Raum – jedoch nicht entsorgt und weggeworfen weil kein Platz da ist. Vielleicht wäre diese Idee eine häufig einsetzbare Lösung in Deutschland. Oh, „meine“ Stadtbibliothek hat sogar ein Magazin…

Dann ist sogar Platz für Kunst. Ein Künstler malte gerade einen Volvo Kombi – jedoch in einer ganz eigenen Art:

Als Bahnfahrer mit dem „Nattåg“ gen Norden verschläft man diese Stadt in der Regel. Wer jedoch mit dem Auto oder dem Camper durch Skandinavien tourt, der kann in Umeå einen Stopp einlegen. Die E4 verläuft direkt daran vorbei.

Mensch, ich habe ja einen Blog! Erst neulich sprach mich eine Kollegin an, das Sie bei einer thematischen Recherche auf einen alten Blogbeitrag von mir gestossen ist.

Die Reaktivierung des Blog erfolgt mit einer Reise. Während die Kulturstiftung des Bundes aktuell mit ihrem Programm hochdrei politische und bibliothekarische Personen im Rahmen eines „Tandems“ nach Dänemark und in die Niederlande in schöne, tolle und möglichst neue Bibliotheken verbringt, reist das hier bloggende BibliotheksWesen schon seit Jahren durch die Länder und besucht immer wieder Bibliotheken.

Der Winterurlaub wurde genutzt um einen Abstecher ins Oodi zu machen. Das Oodi ist die neue Bibliothek an zentraler Stelle in Helsinki. Ein Geschenk des finnischen Staates zum 100. Geburtstag an seine Bürger und damit an sich selbst.

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Wer mehr über das Oodi wissen will kann gerne den BuB Bericht von Beate Detlefs lesen. Einige Blicke gleichen sich, doch da Reisen bildet, möchte ich eigene Eindrücke hinzufügen. Natürlich kann man von den riesigen Dimensionen auch in Deutschland träumen, doch mir geht es beim Besuch um realistische Umsetzungsmöglichkeiten. Auch das reiche Düsseldorf fällt mit seiner neuen Zentralbibliothek „Kap 1“ mit 12.600 qm klein aus für nordische Verhältnisse. Ja gut, das Oodi hat nur 10.000 qm – aber ist auch nur eine von 37 Filialen in Helsinki und die Zentralbibliothek ist die Pasila-Bibliothek.

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2017 konnte ich nur eine Baustelle besichtigen. Für das Oodi wurde die Library 10 geschlossen, die ich noch besucht hatte. Auf einer Fortbildung im Institut für Menschenrechte in Berlin im letzten Jahr erwähnte die Dozentin Eeva Rantamo bereits die Barrierefreiheit der neuen Bibliothek von Helsinki. Eine solche Fortbildung wird am 11. April noch einmal von der ekz GmbH in Reutlingen angeboten und ich kann das jedem empfehlen, der sich mit Bibliotheksbau und für Barrierefreiheit interessiert.

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So fällt zum Beispiel auf, das man im Oodi kaum noch Orientierungsdisplays erblickt. Dafür erblickt nüchtern, sachlich und für alle nutzbar eine klassische Orientierungstafel wieder das Licht der Bibliothekswelt. Die gesamte Bibliothek ist dreisprachig und zudem mit vielen Piktogrammen ausgeschildert. Während Finnisch und Schwedisch für Finnland selbstverständlich ist, findet sich hier auch alles in Englisch.

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Und spätestens hier wird mir klar, das auch die Stadtbibliothek Saarbrücken, recht einfach dreisprachig werden kann – Deutsch/Französisch/Englisch wäre eine logische Folgerung.

Ganz ehrlich, diese Massnahme kann recht kostengünstig in deutschen Bibliotheken umgesetzt werden. Ob die schicken Displays, die in deutschen Neubauten immer häufiger auftauchen noch inklusiv sind und nicht nur sehr teuer, vermag ich nicht zu sagen.

Bei Behinderung denkt Deutschland schnell an Rollstuhlfahrer und Blinde. In den nordischen Staaten beginnt die Barrierefreiheit schon beim Kinderwagen.

Kinderwagenabstellplätze sind dort so selbstverständlich, das man sie in kleinsten Bibliotheken findet. Und hier sei es verraten, diese Idee ist auch bei uns schon angekommen und das Gebäudemanagement hat sie in einer Planung berücksichtigt. Auch diese Sache kostet oft nicht viel – bringt jedoch positives Feedback.

Der Verbuchungsplatz für die Kindermedien ist hier noch mal im Vergleich zu sehen. Man beachte die Höhe des Verbuchungsplatzes.

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Unvorstellbar in Deutschland ist auch dieses auf den ersten Blick unscheinbare Bild:

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Direkt neben der Kinderecke gibt es diesen kleinen Gang mit zwei Toiletten für Schwerbehinderte, entsprechendem Bodenleitsystem, einem Wickelraum und einer (!) Toilette für alle nichtbehinderten Menschen. Während man in Deutschland nicht nur im Karneval unsinnige Toilettenfragen stellt, würden sich die Finnen darüber nur wundern. Nicht aus dem Oodi, sondern aus dem finnischen Kaufhaus „Stockmann“ in Helsinki stammt dieses Bild.

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Doch zurück in den neuen heiligen Gral des Bibliothekswesens.

Nur im dritten Stock befinden sich Medien. Im zweiten Stock, der mir übrigens sehr dunkel und wenig von aussen beleuchtet vorkam, gibt es diverse Gruppenräume in allen Größen, Sitzecken, Nähmaschinen, MakerSpaces und den Folierstisch, wenn man mal selber etwas seine eigenen Werke folieren möchte. Letzteres werden wir regelmäßig zum Schulanfang gefragt.

Die Kinderecke ist sensationell und die Kleinen ziehen auch ohne Beschilderung ihre Schuhe aus. Die Gamer haben genauso ihren eigenen Raum, wie die Küchengruppe. Während in Deutschland Bibliothek und VHS meist getrennte Wege gehen, ist das im Norden historisch bekanntermassen anders verlaufen.

Die nordisch klare Sachlichkeit muss man mögen. Es ist versucht worden an Alles und Alle zu denken. Das Wohnzimmer der Stadt ist im Oodi Wirklichkeit – ausser, das die Getränke zu Hause wohl günstiger wären (Preise in Euro im Februar 2019).

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So geht das BibliothekWesen mit zwei Fragen aus dem Haus:

  1. Was ist davon umsetzbar, ohne deutsche kommunale Etats komplett zu sprengen? Antworten finden sich bereits im Text.
  2. Wenn das die Bibliothek der Gegenwart ist, welche Ausbildung brauchen wir da eigentlich in deutschen Bibliotheken?

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Die letzte Frage ist beinah eine Frage der Einstellung. „Die Bibliothek ist für die Menschen da“ wir ja nun sehr häufig zitiert. Aber was für Menschen müssen denn da arbeiten, die für Menschen in der Bibliothek da sind?

Vielleicht findet sich die Antwort auf dem letzten Bild:

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BibliotheksWesen in Bibliotheken müssen Menschen sein, die an die Bibliothek für alle Menschen denken und nicht nur in Zielgruppen und (Ausleih)statistiken. In Deutschland bedeutet das einen Wertewandel, dessen Prozess für mich noch am Anfang steht. Für das Seminar „Inklusion und Barrierefreiheit in Bibliotheken“ bei der ekz am 11. April gibt es noch Restplätze. Bevor wir nach Norden pilgern, können wir uns vorab informieren wie das noch mal ging, mit der „Bibliothek für Alle“. (ScG)

Im letzten Monat des Jahres 2016 ist in der Bibliothek die Ausstellung „Oh, eine Dummel“:

http://www.dummel-ausstellung.de/

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Meine Gedanken dazu habe ich in die Eröffnungsrede gepackt:

Diese Ausstellung hat nun schon einige Orte besucht. In einer Bibliothek war sie jedoch noch nicht. Als ich von der Möglichkeit diese Ausstellung zu ordern gehört habe, wollte ich diese unbedingt auch in der Stadtbibliothek Salzgitter. Dafür gab es drei gute Gründe, die sich alle unter dem Begriff Satire und Bibliothek zusammenfassen lassen.

  1. Im letzten Jahr fand in der Herzog August Bibliothek ein Arbeitskreis zum Thema Volksbibliothekare und Nationalsozialismus statt. Am letzten Tag der Vorträge war klar erkennbar, dass alle untersuchten Bibliotheken und die leitenden Bibliothekare teilweise im vorauseilendem Gehorsam Bestände makulierten, also löschten. Einige waren stramme Nationalsoziallisten, andere wiederum wurden „zwangsrekrutiert“. Was allen Personen jedoch am Ende gemein war, das sie am Ende des Dritten Reiches alle in ihrem Beruf weitermachen konnten. Hochoffiziell rein gewaschen von den Allierten. In Deutschland hat der Bibliotheksverband Jahrzehnte gebraucht um einen Ethikcode zu verabschieden. Und eine Frage treibt uns bis heute um: Was darf in den Bestand? Hitlers „Mein Kampf“ steht als kommentierte Ausgabe auch hier in der Bibliothek. Die Innung war, nach erlöschen des Urheberschutzes, sich schnell darüber klar und einig, dass eine kommentierte Ausgabe zur Aufklärung beitragen kann. Doch der Extremismus kommt nicht nur von Rechts. Ein Beispiel: Ein wunderbar aufgemachtes Buch wurde uns im Bereich Biologie geschenkt. Erst bei der Recherche im Impressum findet sich die kreationistische Abstammung. Auch sehr spannend ist das Feld um die unterschiedliche Auslegung des Koran – den man ja nicht wegschmeißen oder verbrennen darf. Doch was macht Bibliothek dann mit der salafistisch geprägten Ausgabe im Geschenkekorb? In der Stadtbibliothek entzündete sich zuletzt eine Diskussion über Herrn Akif Pirinci, da seine letzten Bücher zwar zu Beginn von der Wochenzeitung „Die Zeit“ oder der politischen Monatszeitschrift „Cicero“ als Satire gekennzeichnet wurden – bis Herr Pirinci bei den Pegidademonstrationen seine Satiren zum Besten gab. Doch bei diesem Ort waren sie keine Satiren mehr. Andere große Bibliotheken haben Herrn Pirinci aus dem Bestand gelöscht, inclusive seiner Felidae Katzenkrimis. Wir halten die gekauften Bücher aus – wenn sich niemand dafür interessiert werden sie von allein irgendwann aus dem Bestand wandern.  In Zeiten des sich steigernden Populismus sind die Bibliotheken stärker denn je gefragt, ob sie sich eines Inhaltes annehmen wollen oder nicht. Viele Bibliotheken abonnieren die Spiegel Bestsellerliste und stellen alles was kommt in den Bestand. Ich sage somit das nächste Problem voraus. Udo Ulfkottes Buch „Volkspädagogen“ über die Lügenpresse aus dem Kopp Verlag wird sicher ein Bestseller. Die Stadtbibliothek Salzgitter entscheidet weiter unabhängig und ohne Vorauswahl, was in unseren Bestand kommt.
  2. Erst gestern Abend war in den Nachrichten zu hören, das der erstarkende Populismus eine Ursache hat: Angst! Angst zu verlieren! Angst abgehängt zu werden. Diese Angst ist laut dieser wissenschaftlichen Untersuchung durch die Stiftung Bertelsmann bei den ärmeren und bildungsschwachen Personenkreisen stärker ausgeprägt. Die öffentlichen Bibliotheken in Deutschland sind vor gut 100 – 120 Jahren entstanden aus dem Gedanken der Volksbildungsbewegung. Eine bürgerlich-liberale Gesellschaft hat auf Vereinsbasis viele heutig kommunalen Bibliotheken entstehen lassen. Die Stadtbibliothek Bielefeld z.B. feiert heute ihren 111. Geburtstag. Die Volksbibliotheken, wovon nur noch die in Fürth diesen Namen trägt, waren die Antwort auf die Arbeiterbibliotheken und vor allem die konfessionellen Bibliotheken des katholischen Borromäusvereins. Die Volksbibliotheken waren eine Säule der Volksbildungsbewegung. Die zweite Säule hat ihren Namen bis heute nicht verändert: die Volkshochschule – die VHS. Gegen Angst hilft nur Bildung. Dieser hundert Jahre alte Ansatz ist heute aktueller denn je. Leider steht die Volksbildung gesetzlich auf eher tönernden Füßen – zumeist als freiwillige Einrichtung. Wenn es ein Landesgesetz zur Regelung des Bibliothekswesens gibt, dann ohne finanzielle Auswirkungen. In Niedersachsen tut sich zurzeit noch weniger. Dass Bibliotheken auch einen kulturellen Bildungsauftrag haben sieht man mit dieser Ausstellung. Das war der zweite Grund weswegen ich „Hier“ geschrien habe.
  3. Der Medienwandel erfasst die Gesellschaft auf voller Breite. Nachrichten-ströme wandern über das Smartphone, die Zeitung auf Papier wird von jungen Menschen kaum noch wahrgenommen. Nachhaltig beeindruckt hat mich das Buch„Redaktionsschluß“ von Stefan Schulz, der auch zur Satire eine Aussage macht. Dieses Buch habe ich kürzlich vorgestellt und eine entsprechende Passage will ich daraus zitieren.

„26,7 Millionen Zuschauer hatten die Abendnachrichten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“ bei ZDF und RTL gesehen. Doch die Mehrheit der Zuschauer war über 65 Jahre. Nicht einmal 2 Millionen Zuschauer waren unter 40. Die Relevanz verlieren also nicht nur die Zeitschriften, sondern alle bisherigen Massenmedien. Und so greifen die ÖR zum einzigen Instrument um im Segment der jungen Zuschauer Marktanteile zu erreichen – sie kaufen Rechte für Fußball.“

Schulz geht auch mit der Presse an sich hart ins Gericht. Doch sicher anders als der eben erwähnte Ulfkotte:

„ZDF Moderator Thomas Walde kann minutenlang reden, ohne danach inhaltlich zitierfähig zu sein. Der ARD-Chefredakteur Rainald Becker bejubelt das regierungshandeln regelmäßig auf eine Weise, die sogar Regierungssprecher Steffen Seibert peinlich wäre. Der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Sigmund Gottlieb, kann überhaupt nur als Lautsprecher der CSU sinnvoll charakterisiert werden. „Brand Eins“ Redakteur Wolf Lotter fasst das Dilemma in einen Tweet: „Viele Journalisten sind zuverlässigere Staatsverteidiger als die Spitzenbeamten, die ich kenne. Letztere wissen ja auch Bescheid.“

Nun möchten sie sicher wissen, wie ich von hier wieder auf diese Ausstellung komme. Es ist die Satire, denn sie ist heute ein wichtiger Informationsfaktor für die Jüngeren. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA:

„Die „Heute-Show“ bringt Details, die in keiner Zeitung mehr stehen; z.B. zur Armenien-Resolution. Und diese Spaßmacher beschäftigen sich mit Personen, nicht mit Programmen. Wahlprogramme oder Wahl-O-Maten sind zwar Kriterien, jedoch nicht an der Wahlurne, weil wir etwas fühlen. Wir fürchten und hoffen. Und am meisten ignorieren wir. Wir vertrauen.“

Und deswegen ist Angst ein gefährlicher Faktor für die demokratische Gesellschaft. Satire klärt auf. Einfach. Auf den Punkt. Und ohne mahnenden Zeigefinger. Dafür mit Raum für eigene Gedanken. Satire hat für einen Teil der Bevölkerung einen Bildungsauftrag. Bibliotheken haben diesen auch. Niedrigschwellig. Schnell verständlich. Und deswegen steht diese Ausstellung heute hier.

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