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Salzgitter ist groß! Auf 224 km Fläche sammeln sich 31 Ortschaften von wenigen hundert bis über 40.000 Einwohner. Drei Bibliotheken gibt es, für die ich als Leitung zuständig bin und in denen ich arbeite. Meist in SZ-Lebenstedt, oft auch in SZ-Bad und selten in SZ-Fredenberg.

Der Arbeitgeber erwartet, das man sein privates Kfz für dienstliche Zwecke benutzt und vergütet dieses auch mit Kilometerpauschale. Doch bisher gab es nur ein Kfz in der Familie mit zwei Berufstätigen. Irgendwann stellte sich also die Frage nach einem zweiten Gefährt, denn der ÖPNV ist wahrlich nicht gut aufgestellt um die drei Standorte schnell zu erreichen. Und 17 km mit dem Fahrrad zur nächsten Bibliothek kann dauern.

Ein weiteres Auto, nur um seinen Dienst zu machen? Das wollte ich nicht. Zudem gab es privat dafür auch keine Abstellmöglichkeit. Also einen Roller? Dann bitte nur ein Trike wie der mp3 von Piaggio oder der Peugeot Metropolis, denn die kann man mit Klasse 3 Führerscheinen fahren. Nach der Probefahrt war der Händler aber auch ich froh wieder heil angekommen zu sein. Überzeugt hat es mich nicht. Zu laut. Zu „stinkig“. (Ja, ich weiß, das es einen mp3 hybrid gab, der fährt jedoch nur bis 30 km/h elektrisch – dann stinkt er wieder.)

Der Ökö in mir dachte an etwas leises, ruhiges. Elektrisches? Ein Blick auf die Neupreise der E-Autos versprach, das ich locker ein Jahresgehalt für das erreichen der Arbeit aufwenden könnte. Ein gebrauchter E-Smart? Aber ohne Schnellader dauert das ewig. Und mit Schnellader war es mir wieder viel zu teuer. Doch da gab es doch etwas von Renault. Diesen Twizy. Kein Auto, kein Roller – ein Quad! Keine Fenster, keine Heizung, kein Radio – pure elektrische Fortbewegung. Nur, gesehen hatte ich das Ding in Echt noch nie!

Eine Probefahrt im Großraum Braunschweig war gar nicht so einfach zu bekommen. Ein Händler bat mir in wenigen Wochen eine Probefahrt für zwei Tage an. Es war Sommer, warm und nach zweihundert Metern war ich damit das erste Mal auf der Autobahn. Ein Twizy kann übrigens von Haus aus 80 km/h schnell fahren… – wutsch, sausten die Autos an mir vorbei. Die zweite Abfahrt „durfte“ ich dann wieder raus.

Doch die Begeisterung wuchs. Neu war mir der Wagen in gewünschter Ausstattung jedoch zu teuer – um die 9.000 €, zusätzlich Batteriemiete. Nur wenig billiger als ein langsam ladener Smart. Aber gebraucht? In Deutschland waren die Preise im Suchzeitraum hoch und standen zuemeist sehr weit weg. Kein Wunder, auf einen neuen Twizy muss man monatelang warten. Also den Suchkreis auf den einschlägigen Portalen auf die Niederlande ausgeweitet. Und fündig geworden. Der Preis war für deutsche Verhältnisse sehr gut – und Fenster waren auch dabei. Also Transporter gemietet und hinein mit dem Lütten:

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Womit die Frage geklärt ist, ob ein Twizy in einen Sprinter passt. Zurück in der Heimat musste der Wagen eingedeutscht werden. CUC-Bescheinigung, deutscher Tüv, etc. Nach ausgiebigen Studium in den Foren wie Twizy-Forum und Going-Electric gab es neue Reifen, Austausch des Getriebeöls, etwas längere Scheibenwischer für den Sitzriesen.

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Leider gab es einige Diskussionen in der Zulassungstelle, ob das Kennzeichen vorne viereckig sein muss oder ob auch ein Rechteckiges geht. Einfacher war es einen Aufkleber meines Stromversorgers anzubringen – ihr wisst schon, der Öko in mir.

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Also auf gehts. Bei zwei Arbeitsstätten ist das Laden noch kostenlos und beinah vor der Tür möglich. Und so flitze ich nun über die Strassen der großen Stadt. Auch Goslar oder Braunschweig sind schnell erreicht – wen man sich über Ladesäulen informiert ist sogar der Rückweg kein Problem. Zwei Ladekarten und einen Typ2 Adapter führe ich stets mit mir. Sogar bis Torfhaus am Brocken habe ich es schon geschafft – die Bergfahrt saugt jedoch ordentlich am kleinen Akku, der meist zwischen 70 und 60 km hält. Salzgitter ist halt eine Großstadt mit viel Landstraßen darin – sonst geht mehr.

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Auf der Arbeit fand ich dann eine kleine Parknische. Doch da durfte ich nicht lange stehen.

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Irgendjemand hatte etwas dagegen, das ich in der nie genutzten Ecke mein Gefährt direkt an der Bibliothek parke. Doch die wenigen E-Autofahrer halten zusammen. So erfuhr ich, das die Stadt für E-Autos einen eigenen Parkausweis hat. Man kann damit unbegrenzt lange und kostenlos parken, jedenfalls bis Ende 2017. Damit auch direkt vor den Bibliotheken! Wie praktisch! Und ganz legal!

Zwischzeitlich ist es kühler und häufig nasser geworden. Die Scheiben sind eingesetzt. Spritzschutz vorne montiert und Handschuhe, Buff und Mütze meine Begleiter.

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Soviel Aufwand um für seine Arbeit unterwegs zu sein? Normalerweise hätte ich ja noch Werbung fahren können / müssen. „Bücherbüsschen“ oder „Bibliothekarischer Notdienst“ wären eine Option, denn oft nehme ich auf dem Rücksitz (!) ein paar Kisten mit in die jeweils andere Bibliothek. Doch beim Aufräumen zu Hause fand meine Frau etwas Passenderes:

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Das trifft es! Auch wenn der große Benziner zur Verfügung steht, nehme ich lieber den „Zyklopen“. Es macht auch nach Monaten noch Spaß – und die Einwohner dieser großen Stadt sind noch immer am Gucken, wenn ich da ganz leise angebraust komme. Seit den Elektromobilitätstagen vor Ort weiß ich, das es noch jemanden hier mit diesem Gefährt gibt. Das steigert die E-Autorate der Stadt glatt um einige Prozent.

Fazit: Lösung gefunden. Und schlau geworden über das Thema Elektromobilität. Da kann ich nun mitreden.

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