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In diesem Blog findet sich noch ein Bericht über den Renault Twizy und zwischenzeitlich hatte ich auch einige Zeit einen E-Smart 451 mit Schnelllader. Das waren jedoch nur „Zweitwagen“. Der Umzug ins Saarland mit schlechter öffentlicher Ladeinfrastruktur brachten mich während der Aktion „Stadtradeln“ dazu mich vom E-Smart zu trennen.

Meist geht der Weg zur Arbeit nun mit dem Rad. Ein Versuch mit dem ÖPNV war trotz umsteigefreier Verbindung eher frustrierend . Und wir haben ja noch ein Auto. Dieses „Weltauto“ aus Ungarn wurde in Kooperation mit Suzuki und Fiat gebaut und hört auf den Namen SX4 (Suzuki) oder Sedici (Fiat).

2011 war uns der Begriff „SUV“ noch nicht geläufig. Wir freuten uns über die erhöhte Sitzposition in dem 4,11 cm langen Wagen. Und neben den üblichen Verkehrsrouten und Ausflügen in den Harz wurden auch Urlaubsausflüge gemacht. Skandinavien im Sommer und Winter. Der Wagen wurde nicht geschont. Dort macht ein leicht geländegängiges Auto auch Sinn.

Zwischenzeitlich ist SUV ein Schimpfwort geworden. Gemeint sind dann eher sehr große und bullige Autos der Oberklasse, die meist in Gegenden unterwegs sind, wo man diese Art von Autos nicht braucht.

Unser nun einziger Wagen sollte erneuert werden und die Marktsichtung geriet zum Kraftakt. Unsere Wünsche:

  • klein, wendig, stadttauglich und überlandfähig, sparsam (Benzin), für 2 Personen
  • Allrad, Sitzheizung, DAB+-Radio, Tempomat, gerne Automatik
  • umweltfreundlich – soweit möglich, Preis-Leistung für Nutzungszeit muss stimmen.

Der deutsche Automarkt schrumpft da enorm schnell zusammen. Die angeblichen SUV im unteren Mittelklassesegment sind nur Lifestyleplacebos und haben zumeist nur Vorderantrieb, Allrad nur als Diesel mit Luxusausstattung, Verbrauch um die 10 Liter und CO2 Werte, über die sich die Bundesregierung bei der Steuer freut. Hybrid? Elektro? Nicht im gewünschten Segment.

Deutsche Marken haben bei mir keine Chance, das Gefühl bereits beim Kauf betrogen zu werden ist permanent geworden. Auch preislich liegt Mercedes, BMW und VW weit jenseits der Massstäbe. Egal ob Franzosen oder Italo-Amerikaner, von Citroen C3 bis Jeep Renegade und Fiat 500x wurde alles Probegefahren. Fazit: Zu groß, zu viel Verbrauch, nur Frontantrieb. Die potentiellen Nachfolger des SX4 auf dem wachsenden Markt der kleinen Möchtegern-SUV (Softroader bzw. Crossover) versagten. Einzig Subaru fiel positiv auf, doch es fehlt gerade der kleinste Subaru Nachfolger (Justy) im Portfolio – es beginnt erst beim XV.

Suzukis Nachfolge-SX4 ist ebenfalls zu groß geworden für unsere Ansprüche, im Vitara quälten uns die Sitze und die schlechte Übersicht. Ein Schimmer der Hoffnung versprach der neue Jimny – doch das ist wirklich ein Geländewagen. Lange Touren? Und die Verbrauchswerte! – Schade, leider nein – wie auch die Probefahrt zeigte.

Der Fiat Panda Cross ist ein weiterer kleiner Allradler im Portfolio – allerdings ist die 2 Zylinder Maschine vom Konzept her auch schon bald 10 Jahre alt.

Und dann stand da noch der Ignis. Auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Aber das Konzept gefiel uns. 3,70 m kurz, bequemes hohes Einsteigen. 18cm Bodenfreiheit. Die Testberichte in Deutschland nehmen den Wagen nicht Ernst, aber die Österreicher waren durchweg positiv gestimmt. Das gilt für Berichte auf Papier wie in Videos:

 

Ein Importauto dank Suzuki-Deutschland

In Deutschland gibt es den Ignis in folgende Varianten:

  • Dualjet (Frontantrieb)
  • Dualjet (Allgrip / Allradantrieb)
  • Dualjet AGS (Automatik ohne Allradantrieb)
  • Dualjet (Mild) Hybrid (ohne Allradantrieb)

Unser Wunsch nach Allrad/Automatik/Hybrid geht leider nicht. Also doch der Vitara?

Ein Blick nach Europa zeigt jedoch, das es auch anders geht.

In Österreich (Frankreich und Niederlande) gibt es zusätzlich die Version:

  • Dualjet Allgrip/(Mild)Hybrid – spart immerhin 13g CO2 pro km

Das BibliotheksWesen fängt dann an zu recherchieren, warum eine japanische Marke nicht überall die gleichen Autos in Europa anbietet. In Norwegen gibt es nur drei Ignis Varianten (Front, Hybrid und Hybrid/Allrad) nur in höchster Ausstattung https://issuu.com/rsanorge/docs/suzuki_prisliste_3_-_2017?e=23049259/48265959, die Finnen kennen nur die Allradversion und die Schweden nur die Hybrid/Allrad-Version. Die Finnen und Norweger können auch in Gold bestellen, die Schweden nicht. Dafür kann man dort eine Normal und eine „All-Inclusive-Version“ bestellen.

In Österreich heisst die höchste Ausstattung Flash, die in Deutschland unter Comfort+ firmiert. Es ist jedoch die gleiche Ausstattung. Und die Österreicher können die Farbe „Helios Gold Pearl Metallic“ ordern. Diese Farbe gibt es in Deutschland nicht. Und so fahren wir nun einen Exoten in Deutschland, nachdem sich einige schon umgedreht haben bzw. um den Wagen herum gelaufen sind:

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Ob Frankreich, Luxemburg, Finnland, Schweden, Dänemark oder Norwegen – den Ignis habe ich dort nicht gesehen. Das oben zu sehende Wägelchen wurde aus Innsbruck importiert und man lernt sehr viel über EU-Importe. Ein normales Kurzzeitkennzeichen genügt, wenn der Wagen aus Österreich kommt, da beide Länder diese Schilder gegenseitig anerkennen – für andere EU-Länder gilt das nicht. Die Suzuki App funktioniert nicht, da nur in Deutschland erstregistrierte Autos sich dort registrieren können. Autos bis 6 Monate Zulassung gelten zudem als Neuwagen. Die Mwst Steuer ist damit in Deutschland direkt beim Finanzamt zu entrichten und der Händler in Österreich stellte eine Nettorechnung aus. So häufig passiert das in Saarbrücken trotz Grenznähe scheinbar nicht. Die Rückfahrt über den verschneiten Fernpass und durchs verregnet Baden-Württemberg war Teil „Der Weg ist das Ziel“ Tour, obwohl ich die Hinfahrt mit der Bahn eindeutig vorziehe.

Das „Stadtauto“ ist somit überlandtauglich. Die Tour nach Nordfinnland im März 2019 hat es bewiesen. Dank Tempomat vermisst man die Automatik kaum noch. Der 5,5l Verbrauch auf unser Tour durch den Norden macht den 30l Tank verschmerzbar. Auch bei -25 Grad sprang der Wagen unproblematisch an und die Eispisten waren dank Allrad kein Problem. Bis zum Nordkap waren es zwar noch einige Kilometer, der Suzuki Ignis hätte es geschafft.

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Nun fahren wir also ein 3,70 m kurzes Wägelchen, was in die Stadt passt und mit dem man auch weite Touren gemütlich fahrend zurücklegen kann. Schwedische Schotter- und saarländische Schlaglochpisten sind unproblematisch. Allrad und (Mild)Hybrid für unter 20.000 € sind möglich. Steuerlich sind jährlich 46 € zu zahlen. Damit können wir beruhigt auf den großen Elektroboom warten.

Die Sache hat jedoch einen Haken; der Ignis ist ein (Micro) SUV! Und SUV sind per se gesellschaftlich Böse, überflüssig, fett und verstopfen die Straßen. SUV = BMW X7, VW Tuareg oder gar die amerikanischen Schlachtschiffe Ford Raptor & Co. Kritisch Punkte sind in der Wikipedia wie folgt aufgeführt (und gleich mal verglichen):

  • Kraftstoffverbrauch – Ignis 5,5l (Real)
  • Luftqualität (Diesel) – es gibt nur ein 90 PS Benziner
  • Geräuschemission (Breitreifen) – 175/60R16 82H (breite Schlappen sind was anderes)
  • Fahrzeuggröße – 3700 mm Länge x 1660 Breite x 1595 mm Höhe (und wirkt drinnen viel Größer)
  • Blendwirkung – höchstens durch die Metalliclackierung 🙂
  • Rücksichtloses Fahrverhalten – mit Tempomat cruisen ist sehr Entspannend
  • Ressourcenverbrauch – bei einem 945 kg leichtem Auto eher nicht.

Auch ich ärgere mich über den wachsenden Personenkreis, die mit überdimensionierten Autos über zwei Parkplätze nicht einparken können, weil sie die Maschinen trotz diverser Assistenzsysteme einfach nicht überblicken. Warum frühere dreitürige Suzuki Vitara oder Toyota RAV4 Versionen nicht mehr gebaut werden, obwohl diese auf dem Gebrauchtmarkt hohe Preise erzielen, ist mir ein Rätsel. Der Bedarf zeigt sich am Suzuki Jimny, auf den man Monate warten darf.

Japaner haben wenig Fläche und bauen deswegen kleine Autos. Amerikaner haben viel Platz und bauen entsprechend große Autos. Und Deutschland hat recht wenig Platz und baut deswegen große Autos. Ähh!

Wenn die Strecke nicht per Rad oder Bahn zurückgelegt werden kann nehmen wir das Auto. In der Familie heißt der Kleine übrigens „Grizzly“. Es ist ein SUV – von mir aus „Empört Euch!“…

 

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