You are currently browsing the tag archive for the ‘Schweden’ tag.

Wieder einmal ist es nicht gelungen einen Urlaub ohne Bibliotheksbesuch zu machen. Der Roadtrip begann in Finnlands Süden und ging über Lappland (Finnland, Norwegen, Schweden).

Die Schärenringstraße vor Turku bzw. Åbo war bereits zu Beginn ein ungeplantes Highlight. 200 km lang und mit 10 Fährverbindungen verspricht Inselhopping. Auf der Hinfahrt merkten wir, das die Sprachen von Finnisch/Schwedisch auf Schwedisch/Finnisch wechselten. Die Busse fuhren nicht mehr nach Turku, sondern nach Åbo, dem schwedischen Namen von Turku. Und im Supermarkt auf der Insel Korpo wurde nur noch Schwedisch gesprochen.

Kurz unterhalb von Jokkmokk waren unsere Reiseziele abgearbeitet und wir hatten noch Zeit.

Also noch mal die finnischen Schären? Die Lösung brachte die Fähre von Eckerölinjen von Grisslehamn – nach Eckerö auf Åland. Das die Hinfahrt drei Stunden dauert, die Rückfahrt jedoch nur eine Stunde ist der WEZ/OEZ-Grenze zu verdanken. Hier kann man zollfrei Einkaufen, was die Nordländer ausgiebig für den Nachschub von Hochprozentigem nutzen. Was den Deutschen der Fuselfelsen, ist den Nordländern das Fuselschiff.

Åland ist eine weitgehend autonome Region Finnlands. Auf den 6.500 Inseln, wovon nur die wenigsten bewohnt sind, leben knapp 30.000 Menschen. Die „Hauptstadt“ Mariehamn hat ca. 11.000 Einwohner. Man repräsentiert eindeutig die schwedisch-sprechende Minderheit von Finnland. Man genießt Wehrpflichtbefreiung und Zollfreiheit, was viele Schiffe einen Stop in Marienhamn einbringt. Man leistet sich eigene Briefmarken, eigene KFZ-Schilder, eine eigene Internetendung (.ax) und eine eigene Flagge.

flagge

Mehr Autonomität ist kaum möglich.

Es gibt auch Bibliotheken. Eigentlich ein ganzes Bibliothekssystem. Mit eigener Internetendung: Bibliotek.ax

Überall auf der Insel sieht man kleine Schilder zur einer Bibliothek. Auf der Internetseite werden 15 Kommunalbibliotheken, 7 Schulbibliotheken und noch weitere Spezialbibliotheken aufgelistet. Darüber schwebt die Stadsbibliotek Mariehamn als Zentralbibliothek.

Wer bisher nur Schilder mit Elchen und Rentieren mit Skandinavien verbindet, bekommt nun ein neues Schild direkt vor der Bibliothek präsentiert: den Marienhamns-Gumsen

Die Bibliothek von außen ist eher unscheinbar, bzw. würde man einen solch großen Bau nicht mit einer Bibliothek in einer „Stadt“ dieser Größe in Verbindung bringen:

bibaussen

Nein, das ist kein Neubau – kein Dokk1, kein Oodi oder Birmingham Library. Die Bibliothek wurde bereits 1990 erbaut. Für 110.000 Medien geplant, 10,5 Bibliothekarstellen und 7,5 Assisstentenstellen eingerichtet, also 18 Personalstellen. Die Gesamtfläche beträgt 14.800 m², die große Halle allein 3.405 m². Das neue Kap1 in Düsseldorf soll 12.500 m² Fläche bekommen, wenn ich mich nicht irre.

Man ist gleichzeitig Hochschulbibliothek für die HÅ – die Högskolan på Åland, an der man u.a. Maschinenbau, Elektrotechnik oder Gesundheitsmanagement studieren kann. 455 Studenten zählt man aktuell. Klingt nach guten Studienbedingungen.

hochschule

Doch nun ein Blick ins Innere!

innen1

Die Finnische Sachlichkeit und das schwedische Design ist spürbar.

innen3

Ich habe persönlich die finnisch-schwedische Symbiose dieses Gebäudes gespürt.

innen4

Und nach 30 Jahren wirkt es fast zeitlos.

In einem Flyer von 2009, den man dort mitnehmen konnte sprach man bereits von 122.715 Büchern, 7.502 Musik-CD, 1.454 DVD und gut 2.700 weiteren Medien, also fast 135.000 Medien. Man öffnet in 2008 gut 60 Stunden die Woche und hat pro Leser 25,2 Ausleihen bei insgesamt 277.361 Ausleihen und 244.494 Besuchen.

innen2

Es war nicht viel los am Samstagnachmittag in den Ferien. Die aktuellen Öffnungszeiten waren Montag – Donnerstag 10 – 20 Uhr, Freitag 10 – 18 Uhr, Samstag 10 – 16 Uhr und Sonntag 12 – 16 Uhr. Also 58 Öffnungsstunden in der Woche. An Personal waren nur 2 Personen zugegen, kein Problem bei Selbstverbuchung.

innen5

Es bleibt hier trotz der Architektur viel Platz für Neuerungen und Änderungen. So ganz nebenbei ist man als „Grüne Bibliothek“ frisch ausgezeichnet.

Ob in deutschen Bibliotheken auch so viel Mülltrennung betrieben wird?

Was bietet man seinen 11.000 Einwohnern noch?

tabletausleihe

Tabletausleihe und natürlich WLan

sitzmöglichkeiten

Neue Sitzmöglichkeiten, die sich in die Architektur sehr gut eingliedern. Von diesen Sesseln habe ich 4 Stück gesehen – aus einem wollte meine Frau gar nicht wieder raus.

alandica

Als Zentralbibliothek für das autonome Åland hat man die Aufgabe der landeskundlichen Abteilung. Anschluss an die Filmdatenbank Cineasterna.se, Sprachcafé, Schöne Literatur in großer Auswahl in vielen Sprachen (Multilingual Library), Novellencafé, Buchzirkel, Literaturtage, etc.

Interessant ist auch der kostenfreie Lieferdienst für alle Medien, wenn man nicht mehr außer Haus kommt. Daisybücher sind ebenfalls vorhanden. Spannend, bei 60 bewohnten Inseln.

Das Büchlein „Åland in Zahlen 2019“ notiert auf Seite 30:

Jahr 2000 / 332.564 Bände und 486.139 Ausleihen (18,9 Leihen pro Einwohner)

Jahr 2010 / 326.230 Bände und 476.376 Ausleihen (17 Leihen pro Einwohner)

Jahr 2018 / 288.943 Bände und 288.943 Ausleihen (12,7 Leihen pro Einwohner)

Fazit:

Åland ist eine Reise wert. Die Natur, die Inseln, der Kuchen

kuchen2

Insbesondere der Kuchen!

kuchen1

Ihr dürft aber gerne auch den Bibliotheken einen Besuch abstatten. Der Eintrag in diesem Blog erhebt nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Falls also jemand mal einen Bericht über das Bibliothekswesen auf Deutsch verfasst hat würde ich gerne dorthin verlinken.

30.000 Einwohner zwischen Schweden und Finnland haben sich eine ganz passables Bibliothekslandschaft gebaut. Auf jeden Hauptstadtbewohner kommen über 11 Medien. Eine schöne Zahl zum Abschluß, wenn mal wieder die deutsche 2 Medien/Einwohner Marke aus der Ecke gekramt wird.

 

Werbeanzeigen

Auf dem Weg nach Norden bin ich schon mehrfach durch Umeå gekommen. Für die meisten wäre das ja schon Norden genug – immerhin kommt in Schweden nördlicher nur noch die Provinz „Norrbottens län“. Umeå ist die Residenzstadt von „Västerbottens lan“ und die Stadt hat ca. 85.000 Einwohner mit starkem Wachstum.

Ich kenne Umeå nur durch zwei Besuche im Winter. Die Stadt der Birken und die Stadt der Radfahrer, auch bei minus 15 Grad. Und Kulturhauptstadt Europas war sie 2014. Das merkt man nicht nur an der Stadtbibliothek. Doch auch sonst gibt es architektonische Highlights – das beginnt bei der Stadtmöblierung.

Nachts ist diese „Engelsbank“ gegenüber der Norrlandsopera beleuchtet. Wer dort sitzt hat also einen Heiligenschein. Die Stadt der Birken hat sich zudem einen neuen Busbahnhof aus Holz geleistet (nein, das ist kein Rohbau):

Selbst wer nur im Einkaufszentrum „Utopia“ kurz aufwärmen will, trifft auf Kunst. In diesem Fall auf ein zusammengekugelten Käfer von Ichwan Noor: https://www.artsy.net/artist/ichwan-noor :

IMG_0841

In dieser Stadt mit vielen Studenten ist die Stadsbibliotek natürlich wichtig und wurde 2014 neu errichtet: https://sv.wikipedia.org/wiki/Ume%C3%A5_stadsbibliotek – der direkte Link zur Homepage findet sich hier.

Während ich 2017 nur davor stand habe ich mir im März 2019 etwas Zeit genommen um hinein zu gehen. Erst das Oodi in Helsinki, dann der Bücherbus in Kilpisjärvi und nun also die Stadtbibliothek in Umeå. Die Bibliothek ist wiederum ein Kulturhaus (Kulturhuset) mit integrierten Cafés und einem Hotelkomplex über der Bibliothek.

Die Bibliothek liegt eigentlich nicht zu verfehlen in der Innenstadt direkt am Ume Älv, der zu dieser Jahreszeit komplett zugefroren ist.

IMG_0868

Wer mit Spikes durch die vereisten Strassen läuft sollte wegen des Holzbodens bitte Gummischlappen drüberziehen.

Das man die Orierntierung nicht verliert und zufällig im Hotel landet, dafür sorgen sehr große Orientierungskarten. Ob die barrierearm sind, weiß ich nicht – der Trend zurück zu einfachen Wegweisern zeigt der Besuch im Oodi in Helsinki. Wer erschöpft ist findet ausreichend Sitzgelegenheiten. Auf der Seite der Bibliothek sind alle Räumlichkeiten klar nach Etagen aufgegliedert: https://www.minabibliotek.se/teman-och-rum?culture=sv und es gibt ein pdf: https://cdn1.minabibliotek.se/files/584a8749f09f4b19bc03c660/Ume%C3%A5%20stadsbibliotek%20informationsbroschyr.pdf zum Mitnehmen.

Die Größe der Bibliothek ist, wie immer, nicht mit deutschen Maßstäben vergleichbar. 5000 qm lassen entsprechend Möglichkeiten zu für die diversen Räumlichkeiten, die heute auch in deutschen Bibliotheken immer mehr erwartet werden. Übrigens, es gibt mit Bücherbus insgesamt ein Dutzend Zweigstellen in dieser Stadt.

Also alles vorhanden: Digitalwerkstatt, Gruppenräume, kleine Bühne, Kulturrezeption, etc. Die entsprechenden Betreuungsangebote reichen von der Digitalhilfe über die Ahnenforschung bis hin zum IT-Sprachcafé. Und die ganzen Kinderangebote sind da noch gar nicht genannt. Das Bibliothekswesen hat also einiges zu tun

Es gibt auch Platz für Medien und ausreichend Fläche zum „Sofortkonsum“:

Doch in Umeå bin ich auf eine Besonderheit gestoßen, die mir bisher noch nie begegnet ist. Während man immer wieder liest, das sich Bibliotheken von Medien trennen um Platz zu schaffen, magaziniert man in der Stadsbibliotek Umeå Titel, die man haben muß jedoch nicht immer im Raum präsentieren muss. Gut, Magazine kennen auch deutsche Kommunalbibliotheken – aber dieses Magazin ist offen für jeden zugänglich und nutzbar:

Ob Kinderbuch oder Schöne Literatur, das „Öppet magasin“ kann jeder bedienen. Einfach auf die Knöpfe drücken und elektrisch werden die Reihen geöffnet und geschlossen. Viele Medien auf engem Raum – jedoch nicht entsorgt und weggeworfen weil kein Platz da ist. Vielleicht wäre diese Idee eine häufig einsetzbare Lösung in Deutschland. Oh, „meine“ Stadtbibliothek hat sogar ein Magazin…

Dann ist sogar Platz für Kunst. Ein Künstler malte gerade einen Volvo Kombi – jedoch in einer ganz eigenen Art:

Als Bahnfahrer mit dem „Nattåg“ gen Norden verschläft man diese Stadt in der Regel. Wer jedoch mit dem Auto oder dem Camper durch Skandinavien tourt, der kann in Umeå einen Stopp einlegen. Die E4 verläuft direkt daran vorbei.

Folge mir auf Twitter

Follow Ein BibliotheksWesen on WordPress.com
Werbeanzeigen